Brennnessel (Urtica Dioica)

die Königin der natürlichen Abgrenzung

Die Brennnessel – unterschätzt, kraftvoll und voller Lebensfeuer

Wer kennt sie nicht: die Brennnessel.
Fast überall ist sie zu finden, sie wächst beinahe das ganze Jahr über – und doch machen die meisten instinktiv einen großen Bogen um sie. Verständlich, denn ihre feinen Brennhaare sorgen für sofortigen Abstand. Ohne sich zu bewegen, behauptet sie ganz selbstverständlich ihre Präsenz. Ihre Wehrhaftigkeit, die durch die mit Ameisensäure gefüllten Brennhaare entsteht, lässt sie fast schon in den tierischen Bereich rücken.

Und dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – zählt die Brennnessel zu den großen Heilpflanzen, insbesondere wenn es um unser Blut geht. In der Naturheilkunde wird sie unter anderem bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt und traditionell zur „Blutreinigung“ genutzt. Wie viele Wildpflanzen ist sie reich an Vitalstoffen: Eisen, Kalium (was ihre entwässernde Wirkung erklärt), Kieselsäure für Haut und Haare sowie Aminosäuren. Besonders konzentriert finden sich diese in den Samen, die im Spätsommer geerntet werden können.

Die Brennnessel lässt sich vielseitig anwenden – als Tee, Tinktur oder auch in spagyrischer Form. Geschmacklich ist sie, vor allem spagyrisch zubereitet, ehrlich gesagt kein Highlight. Dafür überzeugt sie umso mehr in ihrer Wirkung. Die jungen, frischen Blätter lassen sich wunderbar selbst sammeln – am besten mit Handschuhen. Ein kleiner Trick aus der Wildkräuterküche: Werden die Blätter mit einem Nudelholz gewalkt, verlieren die Brennhaare ihre Wirkung. Danach kannst du sie roh in einen Salat geben oder wie Spinat zubereiten.

Was mich an der Brennnessel besonders fasziniert, ist ihr hoher Eisengehalt – und ihre sogenannte Signatur. Astrologisch wird sie dem Mars zugeordnet, dem Planeten der Durchsetzungskraft, des Mutes und der Willensstärke. Und genau das spiegelt sich auch auf körperlicher Ebene wider: Ein guter Eisenhaushalt schenkt Energie, Tatkraft und die Fähigkeit, das eigene Leben aktiv zu gestalten. Wenn du das Gefühl hast, nur auf halber Flamme, statt im eigenen Lebensfeuer zu sein, dann könnte die Brennnessel eine interessante Pflanze für dich sein.

Gerade für uns Frauen ist die Brennnessel deshalb eine unglaublich spannende Pflanze. Viele leiden unter Eisenmangel, oft unbemerkt – und wundern sich über Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder das Gefühl, nur noch auf Sparflamme zu laufen. Hier kann die Brennnessel eine wertvolle Begleiterin sein, sanft, natürlich und kraftvoll zugleich.

Und noch ein kleiner Herzensaspekt zum Schluss: Wer Schmetterlinge liebt, sollte die Brennnessel im Garten willkommen heißen. Sie ist eine der wichtigsten Futterpflanzen für viele Raupen – und damit ein stiller Beitrag zu mehr Leben, Vielfalt und Leichtigkeit.

Manchmal sind es eben genau die Pflanzen, denen wir am liebsten ausweichen, die uns am meisten zu geben haben.

rechtlicher Hinweis: Die beschriebenen Inhalte beruhen auf traditioneller Pflanzenkunde und stellen kein Heilversprechen dar. Sie dienen ausschließlich der Information und sind keine Aufforderung zur Eigenbehandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder bestehenden Erkrankungen sollte stets fachkundiger medizinischer Rat eingeholt werden.
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